Grundlage für neue Therapie-Ansätze bei geschädigten Herzmuskeln
15. Oskar-Lapp-Forschungspreis für Berliner Wissenschaftler

Stuttgart im April 2007

Für seine bahnbrechenden Forschungsergebnisse an embryonalen Mäuseherzen wurde der Berliner Herzforscher Dr. med. Jörg-Detlef Drenckhahn vom Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin jetzt von der Oskar-Lapp-Stiftung mit dem Oskar-Lapp-Forschungspreis ausgezeichnet. Den mit 10.240 Euro dotierten Preis erhielt der Wissenschaftler im Rahmen der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie- Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK) am 12. April in Mannheim.

Die Oskar-Lapp-Stiftung besteht seit 15 Jahren und wurde zu Ehren des Stuttgarter Unternehmers Oskar Lapp gegründet, der am 25. April 1987 an einer Herzkrankheit starb. Stifterin des Preises ist die Unternehmerfamilie Lapp. Ursula Ida Lapp: "Wir wollen mit der jährlich verliehenen Auszeichnung junge Medizin-Wissenschaftler motivieren, sich gezielt in der Herz- Kreislaufforschung zu engagieren. Wir brauchen dringend neue und bessere Therapiemöglichkeiten für Herzkranke."

Der diesjährige Preisträger Dr. Drenckhahn hat herausgefunden, dass sich geschädigtes Herzmuskelgewebe bei Mäuseembryonen bis zur Geburt fast vollständig regenerieren kann. Da sich normalerweise beim adulten menschlichen Herz geschädigtes Gewebe kaum regeneriert, könnten auf Grund der neuen Erkenntnisse und mit der Identifizierung der zugrunde liegenden molekularen Mechanismen sowie der beteiligten Zelltypen regenerative Therapiemöglichkeiten von geschädigtem Herzmuskeln bei Kindern und Erwachsenen entwickelt werden.

Dem Kuratorium der Oskar-Lapp-Stiftung gehören Prof. Dr. Gunther Arnold (DGK), Prof. Dr. Anton Both (Katharinenhospital Stuttgart a. D.), Dr. Rolf Thieringer (1. Bürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart a. D.), Prof. Dr. Roderich C. Thümmel (Thümmel, Schütze & Partner) und Prof. Dr. Thomas Nordt (Katharinenhospital Stuttgart) an.

Mitglieder des Preisrichterkuratoriums sind: Prof. Dr. Karsten Schrör (Düsseldorf), Prof. Dr. Christoph Bode (Freiburg), Prof. Dr. Anton Both (Stuttgart), Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla (Jena), Prof. Dr. Ulrich Pohl (München) und Prof. Dr. Gerd Hasenfuß (Göttingen).

Informationen zur Lapp Gruppe
Die Lapp Gruppe mit Stammsitz in Stuttgart-Vaihingen ist mit 2.700 Mitarbeitern, 52 eigenen Gesellschaften und 100 Vertretungen weltweit einer der führenden Hersteller und Zulieferer von hochflexiblen Kabeln, Leitungen, Kabelzubehör, Industriesteckverbindungen, Kabelkonfektionen und Kommunikationstechnik.

(Presseinformation der U. I. Lapp GmbH vom 13.04.2007)


Kranke embryonale Herzen können sich bis zur Geburt regenerieren
Oskar-Lapp-Preis für Kardiologen vom MDC

Das embryonale Herz kann sich, im Gegensatz zum ausgewachsenen, adulten Herzen, nach einer Schädigung regenerieren. Das hat Dr. med. Jörg-Detlef Drenckhahn vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch jetzt erstmals in Herzen weiblicher Mäuse zeigen können. Die Herzen der Tiere hatten sich im Verlaufe der Embryonalentwicklung bis zur Geburt nahezu vollständig erholt. Für diese grundlegende Erkenntnis erhielt er im Rahmen der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie- Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK) am Abend des 12. April 2007 in Mannheim den Oskar-Lapp-Preis. Er ist mit 10 240 Euro dotiert.

Dr. Drenckhahn erforscht die genetischen und molekularen Ursachen vorgeburtlicher und frühkindlicher Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien), deren Defekt auf dem X-Chromosom vermutet wird. Sie führen bei Jungen bereits im Mutterleib zum Tod, Mädchen sterben im Alter von ein bis zwei Jahren. In diesem Zusammenhang untersucht Dr. Drenckhahn in Mäusen die Rolle eines Gens, dessen Genprodukt, das Enzym Holocytochrom c Synthase (Hccs), für die zelluläre Energiegewinnung in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, unabdingbar ist. Forscher vermuten deshalb, dass das Gen, wenn es defekt ist, bei diesen Kardiomyopathien eine Rolle spielt.

Dabei ist schon länger bekannt, dass Störungen im zellulären Energiehaushalt schwerwiegende Folgen für das Herz haben. Herzmuskelzellen benötigen sehr viel mehr Energie als die meisten anderen Zellen, da sie ständig kontrahieren, um das Blut durch den Körper zu pumpen und damit die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Organismus sicherzustellen. Das Herz ist deshalb in der Embryonalentwicklung auch eines der ersten Organe, das funktionstüchtig sein muss, um das Überleben des Embryos zu sichern.

Das Gen Hccs befindet sich nur auf den X-Chromosomen. Das weibliche Geschlecht verfügt über zwei X-Chromosomen, während das männliche Geschlecht mit einem X- sowie einem Y-Chromosom ausgestattet ist. In weiblichen Zellen wird jedoch ein X-Chromosom inaktiviert, um so die ansonsten doppelte Menge an X-chromosomalen Genen im Vergleich zu Männchen auszugleichen.

Um die Funktion des Gens zu untersuchen und zu sehen, ob es tatsächlich an frühkindlichen Herzmuskelerkrankungen beteiligt ist, schaltete Dr. Drenckhahn in Herzmuskelzellen von Mäuseembryonen Hccs aus. Nach der Hälfte der Embryonalentwicklung zeigte sich, dass der Gendefekt für die männlichen Mäuseembryonen tödlich war, ebenso für die Weibchen, die zwei defekte Genkopien trugen.

Gesunde Herzzellen sorgen für Regeneration
Die weiblichen Mäuseembryonen, die in ihren Zellen jeweils ein gesundes und ein defektes X-Chromosom tragen, inaktivieren in einem zufälligen Prozess in jeder Zelle eines der beiden. Daraus ergibt sich, dass 50 Prozent ihrer Zellen im Herzen gesund sind. Die anderen 50 Prozent tragen den Defekt im zellulären Energiehaushalt und sind somit geschädigt. Obwohl solch eine Schädigung eigentlich keine normale Herzfunktion erlaubt, waren die neugeborenen Mäuse jedoch alle gesund und hatten keinerlei Herzprobleme. Wie Dr. Drenckhahn zeigen konnte, war der Anteil an kranken Herzzellen bis zur Geburt von 50 auf zehn Prozent gesunken. Die gesunden Zellen hatten den Verlust an funktionstüchtigem Gewebe kompensiert, indem sie sich schneller teilten. So hatte das Herz bei der Geburt überwiegend gesunde Herzmuskelzellen mit intakter Energiegewinnung, was das Überleben des Embryos bzw. des Neugeborenen sicherte. Allerdings, so Dr. Drenckhahn, bekam ein kleiner Teil dieser Mäuse im höheren Alter Herzrhythmusstörungen und Herzmuskelerkrankungen, einige starben an plötzlichem Herztod. Dies ist sehr wahrscheinlich auf den kleinen Teil defekter Zellen zurückzuführen, die noch im Herzen verbleiben.

Noch ist unklar, welche grundlegenden Prozesse bei der Regeneration der embryonalen Mäuseherzen eine Rolle spielen. Auch ist noch völlig unbekannt, welche Zellarten daran mitwirken und welche Signalwege daran beteiligt sind. Dr. Drenckhahn hofft, dass die weitere Erforschung dieses Vorgangs fundamentale Einblicke in die embryonale Entwicklung sowie die molekularen Regenerationsmechanismen des Herzens gibt. Nach der Geburt kann sich das Herz nicht oder nur sehr begrenzt regenerieren, da die Herzmuskelzellen die Fähigkeit zur Zellteilung verlieren. Die Aufklärung der embryonalen Herzregeneration könnte daher in Zukunft helfen, Therapien für die geschädigten Herzmuskeln von Kindern und Erwachsenen zu entwickeln.

Dr. Drenckhahn studierte in Göttingen Medizin und arbeitete ab 2001 zunächst in der Franz-Volhard-Herz-Kreislauf-Klinik der Charité - Universitätsmedizin Berlin/Helios Klinikum Berlin-Buch und ging kurz darauf an das benachbarte Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch in die Forschungsgruppe von Prof. Ludwig Thierfelder (MDC(Charité/Helios). Ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ermöglichte es ihm, für über zwei Jahre nach Australien zu gehen, zunächst an die Universität von Adelaide und danach an die Monash Universität in Melbourne, wo er in der Forschungsgruppe von Dr. Timothy Cox an dem Hccs-Gen forschte und zuletzt als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. Mit einem weiteren DFG-Stipendium kehrte er nach Deutschland zurück und ist seitdem wieder im Labor von Prof. Thierfelder am MDC.

Dr. Drenckhahn ist der vierte Träger des Oskar-Lapp-Preises vom MDC. Im vergangenen Jahr hatte Dr. Stefan Donath die Auszeichnung erhalten, 2002 Dr. Brenda Gerull, die ebenfalls bei Prof. Thierfelder arbeitet, sowie 1995 Dr. Rüdiger von Harsdorf.

Der Preis ist benannt nach dem aus Thüringen stammenden und in Stuttgart tätigen Techniker und Unternehmer Oskar Lapp (1921 - 1987), der an einer Herzerkrankung starb. Stifterin des Preises ist die Unternehmerfamilie Lapp in Stuttgart.

Ein Photo von Dr. Jörg-Detlef Drenckhahn können Sie sich im Internet herunterladen unter: http://www.mdc-berlin.de/ueber_das_mdc/presse/pressemitteilungen/2007/pm 14.htm

(Pressemitteilungen Nr. 14/13. April 2007 des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin-Buch, www.mdc-berlin.de)


1992 - 2002: Zehn Jahre Oskar-Lapp-Stiftung

Jubiläumsfeierlichkeiten zu Ehren eines Lebenswerkes

Vor 10 Jahren wurde aus Anlass des Todes von Herrn Oskar Lapp die Oskar-Lapp-Stiftung zur Erforschung von Herzkrankheiten gegründet.

Oskar Lapp, Firmengründer der weltweit tätigen Lapp Gruppe mit Stammsitz in Stuttgart-Vaihingen verstarb 1987 an einem Herzversagen. Um die zukunftsorientierte Forschung im Bereich der Kardiologie zu unterstützen und damit das Wissen um die Behandlung der großen Zahl herzkranker Menschen zu mehren, gründete Familie Lapp im Jahr 1992 die Oskar-Lapp-Stiftung.

Seither wird jährlich der Oskar-Lapp-Forschungspreis von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie- Herz- und Kreislaufforschung vergeben. Es ist der erste Preis der Gesellschaft für den kardiologischen Nachwuchs, der auf Grund einer Begutachtung von eingereichten Originalarbeiten ausgelobt wurde. Junge forschende Kardiologen sollen durch den Preis, den die Fachgesellschaft kritisch-wissenschaftlich begleitet, Förderung erfahren. Der Preis ist nicht auf ein spezielles Gebiet festgelegt; sowohl klinische als auch experimentelle Arbeiten aus dem gesamten Spektrum der Herz- und Kreislaufforschung können eingereicht werden. Wegen seiner Erst- und Einmaligkeit ist es auch der einzige Preis der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie- Herz- und Kreislaufforschung, der nach seinem Sponsor und nicht nach einer bedeutenden kardiologischen Persönlichkeit benannt ist. Mit 10.240 Euro ist der Oskar-Lapp-Forschungspreis auch der höchstdotierte Preis der Gesellschaft. Die Preisverleihung selbst findet anlässlich der Eröffnung der Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie- Herz- und Kreislaufforschung in Mannheim durch den Präsidenten in Anwesenheit des Sponsors statt.

In den letzten zehn Jahren sind 26 Preisträger ausgezeichnet worden. Ihre prämierten Forschungsarbeiten sind von essentieller Bedeutung für die Weiterentwicklung der Kardiologie. Fast alle Preisträger sind der Kardiologie treu geblieben - ein Beweis dafür, welche Motivation von solchen Auszeichnungen ausgehen kann.

 

Die Vergabe des Oskar-Lapp-Forschungspreises

Die Originalarbeiten - bis zu 30 - werden zum Stichtag 31. Dezember eines jeden Jahres bei der Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie- Herz- und Kreislaufforschung in Düsseldorf eingereicht und von dort an ein fünfköpfiges Preisrichterkuratorium weitergeleitet. Dieses entscheidet nach einem Punktesystem über die Reihenfolge der eingereichten Arbeiten. Dabei wird eine Empfehlung über die Vergabe des Preises - ob ein einziger Preisträger oder bis zu 3 Preisträgern - ausgesprochen. Das Votum der Preisrichterkuratoriums wird dem Vorstand mit der Bitte um Entscheidung mitgeteilt. Bisher hat sich der Vorstand stets an die Empfehlungen gehalten.

 

Vortrag von Prof. Dr. Rupert Scholz, MdB: "Die private Stiftung - notwendiger Beitrag für den Wissens- und Wirtschaftsstandort Deutschland"

In seinem Vortrag verwies Herr Prof. Dr. Rupert Scholz, MdB, darauf, dass gerade in Stiftungen die Vision einer wirklich aktiven und gemeinwohlorientierten Bürgergesellschaft enorme Präge- und Wirkungskraft entfaltet wird. Gerade in einer Zeit maroder Staatsfinanzen könne dauerhafte soziale Sicherung - zumindest langfristig - nicht erwartet werden. Seine Zukunftsvision: "Auch der grundgesetzliche Sozialstaat und sein Gemeinwohlverständnis müssen sich - wieder - ganz des gesellschafts- und staatspolitischen Subsidiaritätsprinzips besinnen, müssen also staatliche Verantwortlichkeiten und damit auch staatliche Gemeinwohlverständnisse wieder und verstärkt zugunsten von mehr gesellschaftlicher Eigenverantwortung, von mehr gesellschaftlicher Autonomie und damit auch von mehr gesellschaftlich-pluraler Gemeinwohlverpflichtung zurückführen". Deshalb sei eine Erneuerung des momentan praktizierten Stiftungsgesetzes dringend notwendig. Scholz fordet einen institutionellen Wechsel vom Konzessionssystem zum verfassungsgemäßen Normativsystem sowie entsprechende Verbesserungen im Steuerrecht. Denn angesichts der enormen wirtschaftlichen und finanziellen Herausforderungen bedürfe es künftig es verstärkt des Zusammenwirkens staatlicher Aufgabenträger mit privaten Förderern und privaten Stiftungen in Forschung und Wissenschaft. Denn nur private Stiftungen gewährleisten die Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit der finanziellen Mittel, auf die es in Wissenschaft und Forschung ankommt. Ein ebenso hervorragendes wie repräsentatives Beispiel für die Mobilisierung privater Eigenverantwortung im Wissenschafts- und Kulturbereich bilde die Oskar-Lapp-Stiftung.